Nach meinem Studium der Veterinärmedizin arbeitete ich viele Jahre rein schulmedizinisch, erst im Großtier- und später nur noch im Kleintierbereich.
Schon während dieser Zeit war ich bereits auf der Suche nach alternativen Heilmethoden, die ich mit der Schulmedizin verknüpfen konnte.
So habe ich eine Vielzahl an verschiedensten Fortbildungen in der TCM/Akupunktur, Neuraltherapie, Phytotherapie, Homoöpathie, etc. besucht. Jede dieser Heilmethoden brachte mich ein kleines Stück weiter.
2014 begann ich meine osteopathische Ausbildung in Frankfurt am Main, die ich nach einem 2-jährigen intensiven Studium erfolgreich abschloss. Seitdem folgten und folgen jährlich aufbauende und weiterführende Fortbildungen in der Schweiz, in Österreich sowie in Deutschland, mit mittlerweile weit über 500 Ausbildungsstunden. Seit 2020 arbeite ich außerdem als Dozentin in Österreich in einer osteopathischen Schule und unterrichte dort Tierärzte, die sich auf dem Gebiet der Osteopathie fortbilden.
Die Osteopathie gibt mir das, wonach ich lange gesucht habe, sie ist für mich einerseits das Bindeglied zwischen Wissenschaft und Schulmedizin und andererseits die ganzheitliche Arbeit mit dem Patienten.
Als Tierärztin verfüge ich über ein detailliertes Wissen hinsichtlich Anatomie, was die Basis jeder osteopathischen Tätigkeit darstellt, ebenso wie die Kenntnis physiologischer Bewegungsabläufe.
Das Wissen um Gesundheit und Krankheit ermöglicht es mir, Zusammenhänge herzustellen und Abläufe im Körper meiner Patienten besser zu verstehen.
Die Osteopathie betrachtet den Körper der Patienten in seiner Gesamtheit. Nichts ist voneinander getrennt, alles ist miteinander verbunden und greift ineinander über, wie in einem Uhrwerk. Und genau wie ein Uhrwerk, kann der Organismus nur gut funktionieren, wenn alle Teile im richtigen Verhältnis zueinander stehen und alle Teile bzw. Strukturen gut beweglich sind.
Was macht die Osteopathie?
Die Osteopathie ist eine rein manuelle Therapie. Nur mit den Händen untersucht der Therapeut auf sehr sanfte und respektvolle Weise den Körper des Patienten. Dabei geht es um das Auffinden von Dysfunktionen oder Läsionen, also Bereiche, die gestört sind und nicht im Einklang mit dem Rest des Körpers einhergehen.
Das können echte Blockaden sein, zum Beispiel im Bereich der Wirbelsäule oder an den Gelenken oder nur kleine Verspannungen in Muskeln oder Faszien.
Alles ist von Bedeutung, selbst die kleinste Störung kann schwerwiegende Probleme verursachen und steht manchmal weder räumlich noch zeitlich im Zusammenhang mit dem Krankheitsbild. Das bedeutet, dass auch alte Verletzungen zum Beispiel durch länger zurückliegende Unfälle, eine plötzlich auftretende Lahmheit verursachen können, weil die Möglichkeit des Körpers Fehlstellungen zu kompensieren irgendwann erschöpft sein können. Auch die Tatsache, dass weiter entfernt liegende Störfelder, ein scheinbar aus dem Nichts entstehendes Krankheitsbild entstehen lassen, ist für den Osteopathen ein vollkommen normaler Prozess.
In den letzten Jahren gab es zahlreiche wissenschaftliche Forschungen auf dem Gebiet der Anatomie. Wir wissen immer genauer um die vielfältigen faszialen und myofaszialen Vernetzungen innerhalb des Körpers und das alles miteinander verbunden ist. Die Kenntnis dieser Vernetzungen ermöglicht es dem aufmerksamen Therapeuten zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen einem Problem im Bereich der Halswirbelsäule und einem nicht gut arbeitenden Zwerchfell herzustellen.
Das macht die Arbeit des Osteopathen so interessant.
Ebenso sanft wie die Untersuchung erfolgt am Ende auch die Behandlung.
Bei der Arbeit mit dem tierischen Patienten sind wir darauf angewiesen, dass der Patient seine Zustimmung gibt.
Das bedeutet, der Therapeut muss nicht nur sanft und respektvoll sein, sondern auch besonders vorsichtig. Je sanfter die Technik, umso mehr lassen unsere Tiere die Behandlung zu und sich vor allem auch darauf ein.
Welche Formen der Osteopathie gibt es ?
Anhand der vorrangig betrachteten Strukturen unterscheiden wir in :
- Parietale Osteopathie
Hier wird der Fokus auf Knochen, Gelenke und Muskeln gelegt.
Im Prinzip entspricht dieser Teil der Chiropraxis.
- Kraniosacrale Osteopathie
Dieser Teil beschäftigt sich mit dem Schädel (Cranium) als oberen und dem Kreuzbein (Sacrum) als unteren Endpunkt. Es geht hierbei um den kraniosacralen Rhythmus.
- Viszerale Osteopathie
Das Augenmerk bei dieser Form liegt auf den Organen, deren Versorgung (Nerven, Blut- und Lymphgefäße) sowie deren Aufhängung im Körper.
- Fasziale Osteopathie
Der Schwerpunkt hierbei liegt bei den alles umhüllenden bzw. alles verbindenden Faszien.
So wie es verschiedene Formen der Osteopathie gibt, gibt es auch sehr verschiedene Behandlungstechniken.
Am Ende einer Sitzung kann man jedoch nie sagen, dass nur eine bestimmte Form oder Technik zur Anwendung kam. Jeder Patient ist einzigartig und individuell. Das bedeutet für den Therapeuten, dass er flexibel auf die Bedürfnisse seines Patienten eingehen muss. Bereit, sich dem jeweiligen Zustand seines Patienten anzupassen, denn nicht jeder Tag ist gleich, das gilt für Menschen wie für unsere Tiere.
Für wen ist die Osteopathie geeignet ?
Es gibt diesbezüglich nur wenig Einschränkungen. Dazu zählen :
- akute medizinische Notfälle und Verletzungen, Autounfälle
- schwere Erkrankungen wie bösartige Tumore, Infektionskrankheiten, etc.
- akute Entzündungen
- offene Wunden, Hautverletzungen
um nur einige Beispiele zu nennen. Die Liste erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, aber jeder gut ausgebildete Osteopath, weiß um die Grenzen dieser Methode.
Der Vorteil eines tierärztlich ausgebildeten Osteopathen ist für mich an dieser Stelle herausragend. Ich sehe den Patienten mit „beiden Augen“. Ich sehe sowohl Erkrankungen, die nicht osteopathisch anzugehen sind und kann das sofort auch entsprechend weiter diagnostizieren (Röntgen, Blutprobe, etc.), behandeln oder überweisen, also rein schulmedizinisch betrachten, wenn es der Fall so verlangt. Und ich sehe, die Patienten, die absolut von der Osteopathie profitieren und dass sind sehr viele.
Da sind zum Einen die Jungen.
Wildes Spielen, Toben, sich Überschlagen, anrempeln, an der Leine zerren, etc. All das kann zu schleichenden Problemen führen, die sich manchmal akut, manchmal aber eben auch nicht eindeutig zeigen. Der Hund oder die Katze wollen plötzlich nicht mehr so lange laufen, springen nicht mehr auf die Couch, legen sich schneller hin oder werden im schlimmsten Fall auch aggressiv Artgenossen gegenüber.
Ein ebenso häufiges, wie leider auch oft übersehenes Problem sind Wachstumsstörungen. Aus der Forschung weiß man, dass das Knochenwachstum relativ schneller, als das Wachstum der Faszien erfolgt. Allein daraus können Probleme entstehen, die sich zum Beispiel in einem dauerhaft aufgekrümmten thorakolumbalen Übergang zeigen.
Junge Hunde und Katzen sind sehr dankbare Patienten, denn die weichen Strukturen sprechen sehr gut auf osteopathische Behandlungen an. Und da Vorbeugung ja bekanntlich die beste Medizin ist, empfehle ich regelmäßige osteopathische Behandlung, wobei eine Frequenz von 1-2 mal im Jahr völlig ausreichen.
Die Senioren unter unseren Patienten, die oftmals einen schleppenden Gang, abnehmende Muskulatur, Arthrose, Schmerzen , Bewegungsunlust, deutlich längeres Schlafen, Wesensveränderungen, zunehmende Unsauberkeit, Unsicherheit etc. aufweisen, profitieren in jeder Hinsicht von der Osteopathie.
Für viele Besitzer sind all das Zeichen des Alters, mit denen wir uns zufrieden geben müssen und natürlich können wir die Zeit nicht zurückdrehen, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht trotzdem etwas Gutes für unsere Senioren tun können.
Die Lebensqualität kann sich enorm verbessern, wenn die Beweglichkeit wieder verbessert wird.
