Endlich. Endlich!
Der Winter hatte sich verzogen, und ich konnte wieder tun, was ich am besten kann: mich mitten in den Garten legen und so tun, als hätte ich persönlich den Frühling herbeigerufen. Ich stapfte hinaus, schnupperte einmal prüfend in die Luft und ließ mich dann mit einem zufriedenen „Mrrr“ ins Gras fallen. Warm, weich, sonnig – genau so sollte die Welt sein.
Ich streckte mich aus, rollte mich auf die Seite und schloss die Augen. Die Sonne kitzelte mein Fell, und ich spürte, wie mein Körper langsam auftankte. Meine Menschen nennen das „faulenzen“. Ich nenne es: energieeffiziente Jagdvorbereitung.
Während ich so lag und Vögel beobachtete, hörte ich plötzlich ein seltsames Geräusch.
Plock.
Ich hob ein Ohr.
Plock.
Ich hob den Kopf.
Plock.
Ich stand auf. Das war eindeutig ein federiges Objekt in Bewegung. Und ich bin schließlich ein Profi.
Meine Menschen spielten Federball. Ohne mich. Ohne mich!
Ich setzte mich hin, direkt in die Flugbahn, und beobachtete das Ding. Es flog. Es wackelte. Es war federig. Es war… meins.
Ich duckte mich. Mein Schwanz vibrierte vor Jagdfieber.
Der Federball kam näher.
Noch näher.
Und dann – SPRANG ICH!
Mit einem eleganten Satz, der jeder Großkatze Ehre gemacht hätte, schnappte ich mir das Ding aus der Luft. Ein perfekter Fang. Ich landete, stolzierte davon und trug meine Beute wie ein Löwe, der gerade ein Zebra erlegt hat. Nur kleiner.
Meine Menschen riefen nach mir, aber ich wusste: Große Jäger geben ihre Beute nicht sofort her. Erst nach einer ausgiebigen Siegesrunde ließ ich mich überreden, den Federball wieder freizugeben – gegen Streicheleinheiten, versteht sich. Ich bin ja kein Unmensch. Also… keine Unkatze.
Nachdem ich den Federball offiziell besiegt hatte, beschloss ich, dass ich genug Heldentaten für einen Tag vollbracht hatte. Ich marschierte also zurück ins Haus – mit dem selbstbewussten Gang eines Champions – und steuerte direkt meinen Napf an.
Schließlich braucht ein Profi wie ich nach so einer Hochleistung eine ordentliche Mahlzeit. Ich fraß, als hätte ich gerade einen Marathon gewonnen.
