Ich bin´s wieder - Simba, stolzer Herrscher über meinen Garten, meine Terrasse und jeden Grashalm, der sich in meiner Nähe bewegt. Mein Revier ist groß, mein Fell sitzt perfekt, und mein Tagesablauf ist streng durchorganisiert: schlafen, fressen, meine Schwester Nala ärgern, schlafen, fressen, Nala noch mehr ärgern. Ein erfülltes Leben also.
Doch seit einiger Zeit gibt es da diesen neuen Typen in der Nachbarschaft. Einen getigerten Kerl, der sich Zorro nennt. Oder vielleicht nennen ihn nur seine Menschen so, aber der Name passt zu ihm. Er schleicht herum, als würde er heimlich Abenteuer erleben. Ich habe ihn zum ersten Mal am Gartenzaun gesehen. Er saß da, ganz lässig, Schwanz um die Pfoten geschlungen, und tat so, als gehöre ihm die ganze Straße.
Natürlich musste ich sofort klarstellen, dass das hier mein Gebiet ist. Also setzte ich mich ihm gegenüber. Wir starrten uns an. Er blinzelte nicht. Ich blinzelte auch nicht. Es war ein episches Duell der Blicke. Und dann… passierte nichts. Keiner von uns machte den ersten Schritt. Wir trafen uns seitdem öfter draußen, immer mit demselben Ergebnis: wir beäugen uns, wir tun wichtig, und dann gehen wir beide wieder unserer Wege, als hätten wir gerade eine diplomatische Verhandlung geführt.
Während ich also darauf warte, dass Zorro endlich mal etwas tut, muss ich meine Fähigkeiten natürlich scharf halten. Und wer eignet sich dafür besser als meine Schwester Nala? Sie behauptet, ich würde sie „ständig nerven“. Ich nenne das Training. Wenn sie gemütlich liegt, stupse ich sie an. Wenn sie schläft, springe ich auf sie drauf. Wenn sie frisst, schaue ich so lange in ihren Napf, bis sie genervt aufgibt. Ich finde das alles sehr sinnvoll. Sie findet es „absolut unmöglich“. Neulich hat sie mich sogar angefaucht, nur weil ich ihr hinterhergelaufen bin, um zu überprüfen, ob sie vielleicht irgendwo eine Maus versteckt hat. Ich meine, das ist doch Teamarbeit. Sie sieht das anders. Sehr anders.
Eines Tages, da bin ich sicher, werde ich Zorro gegenüberstehen und wir werden endlich herausfinden, wer von uns beiden der wahre König des Viertels ist. Vielleicht wird es majestätisch. Vielleicht dramatisch. Vielleicht einfach nur ein weiteres Starren. Bis dahin trainiere ich weiter. Mit Nala. Jeden Tag. Unermüdlich. Ich bin sicher, sie freut sich darüber. Also… ich freue mich. Das reicht doch.
Am Abend wollte ich eigentlich ganz entspannt meinen königlichen Schönheitsschlaf einleiten. Ich streckte mich, gähnte majestätisch und ließ mich in mein Lieblingsplätzchen fallen. Genau in diesem Moment schlich Nala vorbei – und ich konnte einfach nicht widerstehen. Ein kleiner Pfotenstupser, ganz harmlos. Dachte ich.
Nala drehte sich um, fauchte wie ein Drache auf Koffein und jagte mich einmal quer durch den Garten. Ich rannte, sprang, rutschte, stolperte über einen Blumentopf und landete mit dem Gesicht voran im Rasen. Nala blieb stehen, schaute mich an, als hätte sie gerade den größten Sieg ihres Lebens errungen, und trottete dann völlig zufrieden davon.
Ich blieb liegen, tat so, als hätte ich das alles geplant, und dachte: „Perfekt. Genau so wollte ich den Tag beenden. Mit Stil. … Und Gras im Gesicht.“
