Ich möchte gleich zu Beginn betonen: Meine Ohren waren absolut perfekt. Makellos. Ein Meisterwerk der Natur.
Zumindest bis meine Menschen beschlossen haben, sie „mal kurz zu kontrollieren“.
Es fing harmlos an. Ich lag da, ganz entspannt, ein professioneller Praxishund auf seiner Couch in seiner wohlverdienten Pause.
Dann hörte ich es: „Lou, wir schauen mal in deine Ohren.“
Ich erstarrte. Ich kenne diesen Satz. Er bedeutet nichts Gutes. Ich überlegte kurz, ob ich mich tot stellen sollte.
Ich stand auf. Langsam. Würdevoll. Bereit, meine Rechte zu verteidigen.
„Lou, komm her.“
Ich ging. Aber nicht direkt. Ich machte einen kleinen Umweg. Dann noch einen. Dann einen dritten, der absolut notwendig war, um meine Position klarzustellen. Ich wählte den Weg des passiven Widerstands: Ein kleiner Schlenker nach links. Ein bedeutungsvoller Blick nach rechts. Ein kurzer Stopp, um so zu tun, als hätte ich etwas extrem Wichtiges entdeckt. Vielleicht eine unsichtbare Spur. Oder ein Staubkorn.
Als ich schließlich vor meinen Menschen stand, setzte ich meinen Ich-bin-ein-sehr-zerbrechliches-Wesen-Blick ein. Er funktionierte nicht. Das Otoskop wurde gezückt.
Ich schwöre, dieses Gerät hat eine Aura. Eine dunkle. Eine bedrohliche.
Ich weiß nicht, wer dieses Gerät erfunden hat, aber ich bin sicher, er mochte keine Hunde.„Lou, bleib still.“
Still? Ich? Während jemand versucht, in meine Seele hineinzuleuchten?
Ich wich aus. Elegant. Wie ein Ninja. Ein sehr flauschiger Ninja.
„Lou… bitte.“
Ich wich erneut aus. Diesmal mit einer Drehung, die jeder Tänzer bewundert hätte.
„Lou, jetzt hör auf.“
Ich hörte nicht auf. Ich bin schließlich ein Hund mit Prinzipien.
Dann kam die Verstärkung. Zwei weitere Hände. Eine sanfte, aber sehr entschlossene Umarmung. Ich war umzingelt.
„Lou, wir tun dir nichts.“
Ich weiß. Aber trotzdem.
Am Ende wurde meine Ohren tatsächlich untersucht. Ich überlebte. Gerade so.
Und das Ergebnis?
„Alles gut, Lou.“
Natürlich ist alles gut. Ich habe es ja gesagt.
Ich sah die Menschen an und dachte: „War das wirklich nötig? Wirklich? Wirklich wirklich?“
Sie lächelten. Ich seufzte. Ich seufzte so tief, dass jeder verstand: Ich bin ein Hund, der Großes durchgemacht hat. Dann bekam ich eine Streicheleinheit. Und ein Lob. Und ich muss zugeben… Das hat es ein bisschen besser gemacht.
Okay… vielleicht war es doch nicht ganz so schlimm.
Aber ich bleibe dabei: Meine Ohren sind perfekt. Und ich werde mich auch beim nächsten Mal wieder wehren. Aus Prinzip. Weil ich Lou bin. Praxishund. Held. Ohr-Untersuchungs-Skeptiker und Meister des dramatischen Hüftschwungs.
