Es gibt Tage, an denen ich mich frage, wie dieses ganze System ohne mich funktionieren sollte. Drinnen, draußen, im Garten, in der Nachbarschaft — überall braucht es Ordnung. Und wer sorgt dafür
Richtig.
Ich.
Simba.
Chef, Aufseher, Jäger, Patrouillenleiter, kulinarischer Experte.
Der Tag beginnt immer gleich: mit Hunger. Ein Zustand, der mich grundsätzlich begleitet, egal wie viel ich esse. Ich sitze vor meinem Napf wie ein Restaurantkritiker, der auf den ersten Gang wartet. Wenn die Portion kommt, prüfe ich sie sorgfältig. Meistens ist sie zu klein. Eigentlich ist sie immer zu klein.
Ein Kater wie ich braucht schließlich Energie. Für meine Aufgaben. Für meine Verantwortung. Für meine Jagd.
Nach dem Frühstück — und dem Nach-Frühstück — beginne ich meine Innenkontrolle. Ich lege mich mitten in den Weg, damit jeder weiß, dass ich präsent bin. Ein Chef muss sichtbar sein. Türen, Möbel, Personal: alles wird inspiziert. Wenn jemand arbeitet, lege ich mich auf die Unterlagen. Wenn jemand sitzt, setze ich mich auf den Schoß. Wenn jemand schlafen will, miaue ich an der Tür.
Man muss seine Leute schließlich motivieren.
Sobald die Tür nach draußen aufgeht, beginnt meine eigentliche Arbeit. Der Garten ist mein Reich. Ich patrouilliere jede Ecke, schnuppere an wichtigen Stellen und überprüfe, ob sich irgendetwas verändert hat.
Ein Blatt, das gestern noch nicht da war.
Ein Käfer, der zu schnell unterwegs ist.
Ein Vogel, der zu laut singt.
Alles wird kontrolliert.
Und natürlich jage ich. Ich jage alles, was sich bewegt. Käfer, Blätter, Schatten, Geräusche, die nur ich hören kann. Manchmal bringe ich meine Beute zurück, um zu zeigen, wie gut ich bin. Manchmal fresse ich sie. Ein Gourmet probiert schließlich alles einmal.
Wenn der Garten sicher ist, gehe ich weiter. Über den Zaun, hinein in die Nachbarschaft. Dort bin ich nicht nur Chef, sondern auch Botschafter. Ich hinterlasse wichtige Nachrichten für die anderen Katzen. Manche nennen es Markieren. Ich nenne es Verwaltung.
Wenn ein fremder Kater auftaucht, stelle ich mich groß und flauschig hin. Wenn irgendwo ein Geräusch ist, renne ich hin. Wenn ein Mensch im Garten arbeitet, beobachte ich ihn kritisch.
Man weiß ja nie.
Nala, meine Schwester, versteht das alles nicht. Sie sitzt irgendwo, putzt sich und tut so, als wäre das Leben ein Wellnessurlaub. Keine Ambitionen. Keine Visionen. Wenig Jagdleidenschaft.
Aber gut. Jeder hat seine Rolle.
Am Ende des Tages, wenn ich drinnen und draußen alles kontrolliert, gejagt, gefressen und organisiert habe, lege ich mich zufrieden hin. Ich schnurre. Ich ruhe mich aus.
Morgen beginnt die Arbeit von vorn.
